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Referenzen und Abbildungen finden sich im Buch.


Allgemeine Maßnahmen vor der 1. Behandlung

• Das benötigte Material wird bereit gelegt. Das Gerät wird so platziert, dass der Therapeut gleichzeitig das Gerät und den Patienten im Auge behalten kann. Es schadet nichts, wenn der Patient das Gerät auch sieht.
• Man sollte sich mit dem Gerät auskennen und glaubwürdigkeitshalber aus Selbsterfahrung wissen, wie sich die zur Behandlung vorgesehene Stromform anfühlt.
• Das Vorhandensein allfälliger Kontraindikationen sollte bereits geklärt sein, die Frage wird aber spätestens jetzt gestellt.
• Man klärt den Patienten auf verständliche Weise über die Behandlung auf. Manche Kliniken verlangen eine vom Patienten unterschriebene Einverständniserklärung. Im Rahmen eines Qualitäts- bzw. Risikomanagements betrachtet, ist das gar nicht so abwegig!
• Die Haut wird auf eventuelle Wunden inspiziert. Kleine Wunden und Pusteln können mit Vaseline abgedeckt werden. Lippenpomade tut’s auch, hält aber weniger lang. Falls zur Hand kann man spezielle wasserfeste Pflaster benutzen.
• Die Sensibilität im Behandlungsgebiet wird spätestens jetzt überprüft: warm-kalt (C und Aδ) und stumpf-spitz (Aβ und Aδ).
• Speziell bei älteren Geräten ist darauf zu achten, dass vor dem Einschalten die Intensität auf 0 mA heruntergeregelt ist.
• Da bei (ur)alten Geräten möglicherweise die Kondensatoren sich nicht vollständig entladen haben, sollte man die Elektroden kurz zusammenhalten, da es sonst beim Anschließen dem Patienten „einen putzt“.
• Patientenkabel müssen immer auf ihre Isolation und auf Brüche kontrolliert werden.
• Moderne Geräte führen nach dem Einschalten einen Selbsttest durch: Es klickt und piepst während einiger Sekunden. Im Falle einer Fehlfunktion handelt es sich meistens um ein defektes Netzkabel, ein gebrochenes Patientenkabel oder eine durchgebrannte (Geräte-) Sicherung. Auch soll es vorkommen, dass man vergisst, das Netzkabel einzustecken, speziell in Prüfungssituationen. Studierenden sollten darauf bedacht sein, dass es Dozenten geben soll die bei Prüfungen Sicherungen aus dem Gerät entfernen. Aus Jux und Tollerei.
• Die richtige Elektrodengröße wird gewählt. Die meisten Klebeelektroden können auf das richtige Maß zugeschnitten werden: dabei aber Stecker und Kabel beachten!
• Der Patient muss bequem gelagert werden und wird zugedeckt, um eine Abkühlung zu vermeiden. Faustregel: Wer bereits liegt, kann nicht umkippen.
• Die Elektroden und nichtisolierte Stecker oder Klemmen dürfen wegen der Verätzungsgefahr nie direkt die Haut berühren. Die Kabel sind so zu führen, dass sie nicht unter Zug stehen. Achtung beim Hochfahren oder Runterlassen der Behandlungsliege, es werden immer wieder Kabel eingeklemmt!
• Ältere gelockerte Steckverbindungen können sich ohne großen Zug während der Behandlung lösen.
• Die Elektroden werden entweder in eine Schwammtasche gesteckt oder sie werden mit einem Schwamm (etwa 1–1½ cm dick) oder einem genügend dickem Tuch unterpolstert (Frottierstoff, Waschlappen, i. d. R. 4- bis 8-mal gefaltet). Eine solche Unterlage muss die Elektrode auf jeder Seite mindestens 1–2 cm überragen.
• Die Unterpolsterung wird mit handwarmem Leitungswasser gut durchfeuchtet. Da die Unterlagen während der Behandlung austrocknen, müssen diese ggf. nachgefeuchtet werden. Dazu sollte man eine große Injektionsspritze oder Spritzflaschen aus dem Labor-Zubehör vorbereiten. Die Polsterung darf aber nicht zu nass sein, da es je nach Platzierung zu einem Kurzschluss durch tropfende Schwämme kommen könnte.
• Normale Elektroden werden mit Gummi- oder Velcrobänder fixiert. Die Bänder dürfen nicht schnüren, da ungleichmäßiger Druck zu ungleichmäßiger Stromverteilung führt. Bei Velcrobändern kommt die weiche Seite auf die Haut.
• Blei- oder Zinnelektroden sollten nun also wirklich nicht mehr verwendet werden, es sei denn, man möchte eine Schwermetall-Iontophorese verabreichen.
• Eventuell können zur Fixierung, besonders am Rücken, Sandsäcke oder Gewichtsmanschetten benutzt werden; diese dürfen aber nicht verrutschen. Notfalls können Klebestreifen (Tape) oder Heftpflaster verwendet werden, diese sind aber i. d. R. nicht wasserfest und halten ungenügend. Kalte Gewichtsmanschetten nicht einfach so draufklatschen.
• Praktisch sind sog. Vakuum-Elektroden (Vacotron®, Vaco Gymna®, Vacumed Bosch® usw.). Die Saugkraft darf nicht zu stark eingestellt werden, da es sonst rasch zur hässlichen Hämatombildungen kommt. Wegen der schlechteren Durchblutung unter den Saugglocken kann es bei den hyperämisierenden Strömen rascher zu einer Verätzung kommen. Auch trocknen die Schwämme sehr rasch aus, wiederum Verätzungsgefahr bei den erwähnten Stromformen! Bitte die Anmerkungen zur Hygiene im Zusammenhang mit diesen Geräten im Kapitel Mittelfrequenz beachten.
• Klebe-Elektroden sind bei hyperämisierenden Strömen (Gleichstrom, monophasische nichtkompensierte Impulsströme) wegen der Verätzungsgefahr absolut ungeeignet! Dem Autor ist nur ein einziger Hersteller bekannt, der für seine (Einmal-) Elektroden eine spezielle Klebeschicht verwendet hatte, welche die Anwendung von solchen Strömen erlaubt. Diese Elektroden sind nicht mehr erhältig.
• Die am Körper fixierten Elektroden werden am Gerät angeschlossen. Bei der Anwendung monophasischer und asymmetrisch kompensierter Impulsströme ist die Polarität zu beachten. Die Kathode kommt, weil diese am stärksten reizt, auf die schmerzhafteste Stelle.
• Merke: Normalerweise ist die Kathode schwarz und die Anode rot (Eselsbrückchen: schwarze KATze; KNAP: Kathode Negativ Anode Positiv). Die Kathode kann in Deutschland auch schon mal blau sein. Und wenn der Technische Dienst gerade kein schwarz oder rot auf Lager hatte, sind selbstverständlich auch andere Farben möglich.
• Die Stromform und die Behandlungszeit werden eingestellt.
• Der Patient wird über die zu erwartenden Gefühle aufgeklärt (deshalb die Bemerkung weiter oben wegen der Selbsterfahrung). Achtung: Wenn der Therapeut eine bestimmte Stromart nicht mag, bedeutet dies nicht, dass der Patient das Gleiche empfindet!
• Dosierung bei einer konventionellen Gleichstromanwendung maximal 0,1–0,3 mA/cm2 bei etwa 15 Minuten. Behandlungsdauer; der Patient muss ein leichtes bis mäßiges Prickeln spüren. Ob diese Art zu dosieren sinnvoll ist, sei dahingestellt. Es darf beim Gleichstrom jedenfalls niemals so hoch dosiert werden, dass Schmerzen auftreten.
• Der Autor zieht es bei einer solchen hyperämisierenden Anwendung vor, zuerst den sensorischen Schwellenwert zu bestimmen und danach die Intensität entweder zu halbieren oder gerade subsensorisch zu behandeln. Die Behandlungszeit ist bei halber Intensität zu verdoppeln. Möchte man zur Behandlung einer neurogenen Entzündung als Alternative DF benutzen, macht man es genauso: zuerst die sensorische Schwelle bestimmen und danach runter mit der Intensität bei entsprechend verlängerter Behandlungsdauer.
• Es darf nie deutlich brennen, das deutet auf eine Überdosierung hin. Punktuelles Brennen deutet meistens auf eine Pustel hin.
• Je nach Behandlungsziel sollte der Patient beim Diadynamischen Strom ein deutliches Vibrieren oder Surren spüren, bei der Ultrareizstromtherapie einen Druck, darüber später mehr. Zu den Einstellungen bei der TENS-Anwendung wird auf die entsprechenden Kapitel verwiesen. Bei einer Schmerzbehandlung sind (sehr) unangenehme Empfindungen i. d. R. zu vermeiden.
• Die Intensität wird rasch, aber behutsam hochgeregelt. Während des Hochregelns ist der Blick auf dem Patienten gerichtet und nicht auf dem Gerät.
• Beachte, dass das Stromempfinden beim Patienten sehr unterschiedlich sein kann. Ältere Personen haben ein anderes Stromempfinden als jüngere Semester. Ein Patient, der gerade aus der Kälte kommt, hat wegen seines erhöhten Hautwiderstandes ein anderes Empfinden, als wenn er in der warmen Praxis vor der Behandlung auf dem Ergometer gestrampelt hat. Das Empfinden ist zudem abhängig von der Tageszeit (zwischen 14:00 und 15:00 Uhr soll man am unempfindlichsten sein) und bei Frauen von der jeweiligen hormonellen Situation. Die Schmerzwahrnehmung scheint während des Menstruationszyklus genau dann am höchsten zu sein, wenn der Östrogenspiegel am niedrigsten ist. Andere Untersucher behaupten das Gegenteil. Zähle also nicht darauf.
• Das Stromempfinden ist zudem abhängig vom jeweiligen Zustand des Problems: Im Falle einer Besserung sind die schmerzleitende Fasern weniger sensibilisiert und deshalb ist auch das Stromempfinden herabgesetzt. In so einem Falle wird eine bestimmte, vorher benutzte Intensität weniger stark wahrgenommen. Aus dem gleichen Grund sollte der Therapeut über den (Schmerz-)Medikamentengebrauch des Patienten informiert sein.
• Das Gegenteilige tritt auf bei einer Verschlimmerung: Durch die verstärkte Sensibilisierung der Nervenfasern wird bereits eine niedrigere Intensität als üblich womöglich deutlich gespürt. Das Gleiche gilt für die Phasendauer. Sehr schmerzhafte Probleme verlangen wegen der erhöhten Reizbarkeit eine kurze Phasendauer (z. B. High TENS 10–20 μs). Im Verlaufe einer Behandlungsserie wird man bei einer Besserung die Phasendauer verlängern müssen, um die erwünschte Reaktion auslösen zu können.

Maßnahmen während der Behandlung

• Die Stromstärke wird eingestellt. Die Intensität wird subjektiv anhand der Angaben des Patienten bestimmt oder entsprechend der für die Anwendung spezifischen Richtlinien.
• Beachte, dass bei der Ultrareizstromtherapie, bei DD-Strom und TENS-Anwendungen die Intensität im Falle einer Adaptation nachgeregelt werden muss. Dies kann man nach entsprechender Instruktion und Kontrolle gewissen Patienten selbst überlassen. Dazu gibt es praktische Fernbedienungen. Wenn man keine solche besitzt, muss man das Gerät in bequemer Reichweite positionieren. Wenn der Patient bei einer Behandlung am Rücken auf den Bauch liegt, ist zu beachten, dass eine Anspannung der Rückenmuskulatur zu veränderten Druckverhältnissen bei den Elektroden führt. Dies kann das Stromempfinden unangenehm beeinflussen.
• Regelmäßig wird gefragt, wie und wo der Patient den Strom fühlt, eventuell wird die Intensität nachgeregelt. Der Therapeut darf sich nie außer Hörweite begeben.
• Bei längerdauernden Behandlungen schätzen es die meisten Patienten sehr, wenn man ihnen etwas zu lesen gibt oder ein Getränk offeriert.
• Nachdem die eingestellte Behandlungszeit verstrichen ist, regeln moderne Geräte die Intensität selbst herunter. Wenn nicht, macht dies der Therapeut selbst rasch, aber behutsam.
• Die Elektroden werden vom Körper entfernt und das Gerät wird ausgeschaltet.

Maßnahmen nach der Behandlung

• Die Haut wird kontrolliert und vorsichtig abgetrocknet.
• Bei etwas Irritation wird der Patient angehalten, sich auf keinen Fall zu kratzen, da die Haut speziell bei hyperämisierenden Anwendungen aufgeweicht ist.
• Man erklärt dem Patienten, dass eine eventuell aufgetretene Rötung noch einige Zeit andauern kann und dass sie bei erneuter Reizung (wenn der Patient sich duscht, an die Sonne geht oder sich aufregt) wieder aufkommen kann. Das ist völlig normal.
• Das Material wird gründlich gereinigt und aufgeräumt. Die Polsterung muss gut ausgespült werden. Schwämme dürfen zum Trocknen nicht aufeinander liegen.
• Klebeelektroden müssen nach Gebrauch gut verschlossen aufbewahrt werden, da sonst die Klebeschicht austrocknet. Gute Klebeelektroden können bis zu 20-mal (oder öfter) wiederverwendet werden. Diese Elektroden dürfen selbstverständlich nie für andere Patienten verwendet werden und sind deshalb mit dem Namen des Patienten zu versehen.
• Die Reaktion des Patienten und die Behandlungsparameter werden protokolliert.