Plazebo- und Rumpelstilzcheneffekt

Wenn ein Pahrmaunternehmen eine neue Pille testen möchte, benützt es die sg Doppelblind-Methode: neue Pille versus Placebo. Verwirrend, da manchmal die Placebogruppe auch eine Besserung zeigt.
Eine Gruppe Wissenschaftler, die an Bluthochdruck arbeitete, wurde damit konfrontiert. Sie testeten das Medikament mit 4 Gruppen und runter ging der Blutdruck, bei allen Probanden. Placebos wirken sogar spezifisch: als man Asthmapatienten ein neues Mittel verabreichte, war die Bronchus-Dillatation doppelt so gross bei den Patienten, denen man gesagt hatte, dass eben dies passieren würde.
Ein anderer Wissenschaftler testete eine neue Magentablette. Die Magenaktivität nahm zu bei den Patienten, denen man dies gesagt hatte. Die Magenaktivität nahm aber ab bei jenen, denen man eben dies gesagt hatte, und hatte keinen Effekt bei jenen, denen man gesagt hatte, die Pille werde keinen Effekt haben.
Nicht alle Symptome sind psychisch, und nicht alle Placebos wirken, aber wie funktioniert ein Placebo überhaupt?
Diese Geist-Körper Diskussion läuft schon eine Weile. Franz Anton Mesmer, 1734-1815 Arzt und Theologe, nach dem das Mesmeriseren benannt wurde (Mesmerismus: Behandlungsmethode mit tierischem <animalischem> Magnetismus) behandelte zu seiner Zeit nach einer Methode, die wir heute als Hypnose bezeichnen würden. König Ludwig XVI war so interessiert, das er eigens eine Königliche Kommision zur Untersuchung dieses Phänomens berief. Mitglied waren der Astronome Bailly, der Chemiker Lavoisier, Dr. Guillotin (genau, der) und Benjamin Franklin. Fürwahr eine illustere Gesellschaft.
Die Bailly Kommission kam zum Schluss, dass das Mesmeriseren nicht wegen den Magneten wirkte, sondern auf Einbildung beruhte. "Einbildung ohne Magnetismus verursacht Krämpfe, Magnetismus ohne Einbildung hat gar keinen Effekt" so die Kommission.

Ein junger Psychiater/Anthropologe, Fuller Torrey, verglich in seinem Buch "Witchdoctors and Psychiatrists: The Common Roots of Psychotherapy and Its Future/Revised Edition of "the Mind Game" Psychiater und Medizinmänner miteinander. Leute, die einen von beiden aufgesucht hatten, ging es sofort besser aufgrund der Sicherheit, die die Autoritätsperson ausstrahlte, das Diplom an der Wand oder die entsprechende Kopfbedeckung und Knochenrassel und, zum Schluss, weil die Autorität dem Zustand einen Namen gab.
Entweder ruht auf dich ein Fluch deiner toten Schwiegermutter, oder es geht gerade was herum und dich hat's auch erwischt. Torrey nannte es den "Rumpelstilzchen Effekt". Rumpelstilzchen, das wisst ihr noch, war der Zwerg, der der Müllertochter half, aus Flachs Gold zu weben.

Wenn die Müllerstochter Königin werden würde, wäre ihr Erstgeborener für ihn. Die Müllerstochter wollte sich drücken, und der Zwerg sprach: Du kennst nicht mal meinen Namen. Falls sie seinen Namen bis Mitternacht des dritten Tages kennen würde, könne sie ihren Spross behalten.
Die ehemalige Müllertochter sand Boten aus und schliesslich kam einer zurück, der ein komisches Männlein belauscht hatte als es sprach: "Heute back' ich, morgen brau' ich, �bermorgen hol' ich der K�nigin ihr Kind; Ach, wie gut ist, da� niemand wei�, Da� ich Rumpelstilzchen hei�'!" . Eben zur besagten dritten Mitternachtstunde sprach die Königin zum Rumpelstilzchen: Heisst du Kunz? Heinz? Rumpelstilzchen?
Und der arme Rumpelstilzchen schrie wütend: "Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt" und stie� mit dem rechten Fu� vor Zorn so tief in die Erde, da� es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fu� mit beiden H�nden, und ri� sich selbst mitten entzwei. Es machte PLOP und er war weg. Verduftet. Verschwunden.
Wenn du ihm einen Namen geben kannst, wird es verschwinden (bzw verliert seine Bedrohlichkeit.)


Psychlogen von der Harvard Universität (USA) haben Patienten in einer Klinik getestet. Diese Menschen fühlten sich viel besser nach ihrem Besuch in der Klinik. Dann die Leute im Wartezimmer: die fühlten sich auch bereits besser als vorher. Dann fragten sie die Leute, die nunmehr einen Termin hatten : auch denen ging es bereits besser. Kein Mensch bezweifelt den Einfluss vom Geist auf den Körper und das Ausmass variiert mit dem Gläubigen.
George Bernhard Shaw sagte mal, Lourdes sei ein blasphemischer Ort : man bewahre dort wohl alle Krücken und Rollstühlen der Personen auf, die wieder hätten laufen können,
aber unter all diesen Sachen war kein einziges Holzbein, kein Glasauge und kein Toupet

Übrigens bin ich der Meinung, dass es auch einen reziproken Rumpelstilzchen Effekt gibt : erzähle einem Patienten, dass er eine Skoliose hat, und wenn diese noch so normal ist (die Skoliose), der Patient hat jetzt ein Rückenproblem.
Das gleiche bewirken Bemerkungen wie: "Man sieht fast nicht auf'm Bild nur etwas Abnützung." oder "Ich glaube, sie haben einen Wirbel draussen".
Bäng, dümmer als die Krankenkasse erlaubt.
Wieder einen Patienten kreiert.
So bleibt man im Geschäft.

Kleine Zugabe

Weshalb sollten wir überhaupt den Placeboeffekt vermeiden wollen, ausser natürlich bei klinischen Untersuchungen? Selbstverständlich möchten wir gerne genau wissen was wir tun (wissenschaftlich oder nicht ;-) und selbstverständlich möchten wir, dass es dem Patienten so rasch wie möglich wieder besser geht.
Es kann durchaus sinnvoll sein, gewisse psychologische Aspekte in der Therapie gezielt einzubauen, da wir ohnehin nicht sicher sein können, inwiefern diese das Behandlungsergebnis beeinflussen.

Also:

  1. Schalte die Stereoanlage ein und spiele beruhigende Musik
  2. Baue einen Dimmer ein und vermeide grelles Licht
  3. Benütze eine überzeugende Stimmlage
  4. Zeige dem Patienten aufrichtige Anteilnahme
  5. Sei ein guter Zuhörer
  6. Arbeite in professionell aussehenden Räumlichkeiten.
  7. Hänge Bilder auf, die dich mit bekannten Persönlichkeiten zeigen
  8. Behänge deine Wänden mit Diplomen, Kurs-Bestätigungen, Zeugnissen, Zertifikaten usw.
  9. Lasse im Behandlungsraum den Computer laufen
  10. Kleide dich professionell
  11. Sei nicht dominant, dogmatisch oder besserwissend
  12. Mache intelligenten Gebrauch von Berührung und Nähe
  13. Verkaufe deine Methode mit Überzeugung
  14. Gib dem Patienten das Gefühl, dass er etwas spezielles ist
  15. Gib dem Patienten das Gefühl, dass du ganz für ihn da bist, und nur für ihn
  16. Vermittle den Eindruck, dass du sehr gesucht bist, auch wenn das nicht stimmt....

Analog zur PNF möchte ich diese "Techniken" als PSF oder Psycho-Soziale Faszilitation bezeichnen.
Wenn du die Techniken der PSF mit den üblichen Therapiemethoden kombinierst,
ist ein Therapieerfolg fast garantiert.
Egal bei welcher Behandlungsmethode

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