Therapie mit mittelfrequenten Strömen und
Interferenzstrom

Definition

Mittelfrequenz-Therapie oder -Reizung ist die Therapie mit Wechselströmen aus dem Mittelfrequenz-Bereich. Nach der Einteilung von Gildemeister ist dies der Bereich zwischen 1000 Hz und 300 kHz.
Die Abgrenzung wird gemacht wegen den unterschiedlichen physiologischen Wirkungen im
Niederfrequenz-, Mittelfrequenz- und Hochfrequenz- Bereich.

Mit Mittelfrequenten Strömen werden über die Haut Nerven stimuliert. Die verwendete Impulse sind zu kurz um damit direkt am Muskel (nachweisbar) etwas aus zu lösen. Somit gehören diese Ströme zu den TENS-Anwendungen.

Bei einer Frequenz von 4000 Hz beträgt die Periodendauer 250 µs. Die Phasendauer beträgt somit 125 µs ( f = 1 ÷ Periode), also gerade etwas länger als bei der konventionellen TENS, bei 8000 Hz beträgt sie etwa 62 µs, bei 2500 Hz deren 200 µs.

Weshalb diese Abgrenzung?

Nun: Im Niederfrequenz-Bereich gilt das Prinzip der Periodensynchronen Reizung (= Zyklussynchronen Reizung). Das bedeutet, dass jeder Impuls, sofern Phasendauer und Amplitude ausreichen ein Aktionspotential auslöst. Dabei werden die Aktionspotentiale im gleichen Rhythmus wie die Frequenz des Stromes ausgelöst.
Jede Nervenfaser hat jedoch ihre maximale Depolarisationsfequenz. Diese Frequenz wird durch die Refraktärzeit bestimmt und liegt für die schnellleitenden Aα-Fasern zwischen 800 und 1000 Hz. Bei einer Stimulation mit einer Frequenz über 1000 Hz - also im Mittelfrequenz- Bereich fällt ein Teil der Impulse in die Refraktärzeit, so dass nicht jeder Impuls eine Depolarisation verursacht. Bei 4000 Hz kommt bei einem Aα-Nervenfaser etwa nur jeder 4. bis 5. Impuls "durch" und kann ein Aktionspotential auslösen.
Je nach Dauer der Refraktärzeit reagiert der Nerv auf den Strom mit seiner eigenen Entladungsfrequenz. Ein Aα- Nervenfaser entladet sich mit seinem etwa 800 bis 1000 Hz. Dieses Phänomen nennt man "asynchrone Depolarisation" oder "periodenasynchrone Reizung".

Im Hochfrequenz-Bereich kommen elektromagnetische Wellen zum Einsatz, welche eine Wärmewirkung in der Tiefe (Diathermie) hervorrufen, und keine elektrolytische, elektrochemische und neuromuskuläre Reizwirkungen auslösen.

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Summation

Es scheint also, als ob bei der MF mehrere Impulse notwendig sind, um eine Erregung aus zu lösen. Jede negative Halbperiode würde die Zellmembran ein wenig mehr depolarisieren, bis schließlich nach einer bestimmten Anzahl von Wechselstromperioden (nach einer bestimmten Effektivzeit) die Depolarisationsschwelle erreicht ist. Anschließend wird ein Aktionspotential ausgelöst. Je höher die Amplitude, umso kürzer die Effektivzeit. Gildemeister (1944) betrachtete diese Phänomen als eine Summation. Man nannte dieser Effekt später dann auch "Gildemeister-Effekt".Ganz logisch ist dies natürlich nicht: jeder auf einer negativen Halbwelle folgenden positiven Halbwelle müsste die Depolarisation ja wieder zunichte machen.

ABER: Lullies, Henschel und Wyss (Lullies"Taschenbuch der Physiologie", Wyss, "Prinz. der Elektr. Reizung, Zürich 1976) sind der Meinung, dass die einzelnen MF-Impulse so kurz sind, dass sie nicht als unterschwellige Teilreize betrachtet werden können. Es wirkt (laut Lullies) nämlich keine einzelne Periode als wirksamer Reiz, der sich latent addieren lassen könnte. Deshalb wäre der Begriff "Summation" falsch.
Wyss nimmt an, dass die MF-Impulse direkt an der Membran wirken und dort zu einer erhöhten Na-Permeabilität führen (Einfluss auf den Na-K-Transport? Stoffwechselprozesse?). Sekundär käme es dann zu einer Depolarisation. Lullies und Henschel nannten dieser Effekt - Gildemeister zu Ehren - "Gildemeister Effekt". Es wird manchmal auch von einer "Pseudo-Summation" gesprochen.
Für die Therapie hat dies keine Bedeutung, aber es ist natürlich verwirrend.

Der Summationseffekt wird heute allerdings angezweifelt (Johnson 1999).

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Einteilung Elektrodiagostik und Elektrotherapieverfahren

Niederfrequenz (0-1000 Hz)

Mittelfrequenz (1000 Hz - 300 kHz)

  1. Interferenzstrom-Therapie
  2. Therapie mit amplituden-modulierten MF-Strömen

Hochfrequenz (f>300 kHz)

  1. Kurzwellen-Therapie (11.06m, 27.12 MHz)
  2. 69cm-Wellen-Therapie (69cm, 433.92 MHz)
  3. Mikrowellen-Therapie (12.5cm, 2450 MHz)

Vorteile und Nachteile von MF Ströme

Mit der niederfrequenten Reizstrom Therapie stehen uns eigentlich eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Schmerzlinderung, Durchblutungsverbesserung (viel besser als bei MF!), Muskelstimulation und Diagnostik (I/t-Kurve).
Allesamt gründlich untersucht und bestätigt.
In Zusammenhang mit der Gleichstrom-Komponente der relativ langen NF-Impulse (speziell DD und UR) entstehen aber auch gewisse Nachteile.Die Möglichkeit eine Hyperämie aus zu lösen öffnet aber zusätzliche therapeutische Möglichkeiten (siehe neurogene Entzündung).


MF Wechselstrom ist ein symmetrisch kompensierter Wechselstrom mit einer Frequenz zwischen 1000 und 300'000 Hz. In der Regel werden Frequenzen zwischen 2'500 und 10'000 Hz eingesetzt, am häufigsten 4'000 Hz.
Wegen der hohen Frequenz und der symmetrischen Kompensation treten keine galvanischen Effekte auf. Die (kompensierte) Wechselstrom-Impulse sind zu kurz um einen Ionenstrom auszulösen (125 µs bei 4000 Hz).
Ohne Ionenstrom tritt keine Elektrolyse der Haut auf. Wir bezeichnen den Strom deshalb als apolar. Da kein Ionenstrom auftritt ist diese Stromform angenehm für den Patienten.
Die kurze Impulse reizen, wie z.B. die ebenso kurze Conventional TENS Impulse, außerdem keine Aδ und C-Fasern, auch ein Grund zur Freude.

Es gibt noch einen weiteren Grund für die geringere Hautbelastung.
Bei der Elektrotherapieanwendung werden zwei gut leitende Strukturen (Schwamm und Subkutis) durch eine (sehr) schlecht leitende Struktur getrennt: die Epidermis (R etwa 1'000 bis 500'000 Ohm)
Dies entspricht dem Aufbau eines Kondensators. Ein Kondensator stellt für einen Strom mit hoher Frequenz keinen wesentlichen Widerstand dar.
Aus der unten aufgeführten Formel lässt sich ablesen, dass der kapazitive Widerstand eines Kondensators von der Frequenz des angelegten Stromes abhängt. Bei einer höheren Frequenz sinkt also der Widerstand. Da beim Elektrotherapie-Gerät im constant current Betrieb die Intensität (in mA) konstant gehalten wird, resultiert aus einem geringeren (Haut-)Widerstand eine geringere Spannung an den Elektroden (Ohmsches Gesetz, U = I × R), der Strom kann die Haut problemlos passieren, was für den Patienten natürlich angenehmer ist.

Hautwiderstand bei verschiedenen Frequenzen

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Stark vereinfachtes Schema des Hautwiderstandes

High Frequency Electrical Conduction Block

Wedensky hat 1903 ein interessantes Phänomen beschrieben welches er bereits 1884 entdeckt hatte. Beim Stimulieren von Aα-Motoneuronen war ihm unter Anderem aufgefallen, dass bei der Verwendung von mittelfrequenten Impulsströmen die ausgelösten Muskelkontraktionen rasch schwächer wurden oder nach kurzer Zeit gar ganz ausblieben, bei der Verwendung von niedrigeren Frequenzen waren wieder Kontraktionen auslösbar .
Eine Erklärung für dieses Phänomen gab es damals nicht, man nannte es später "Wedensky-Hemmung" (Kato 1929, Rosenblueth 1937, Bowman 1986).

Die hohe Frequenzen haben Konsequenzen für die Reizung: ein Teil der Impulse fällt in die Refraktärperiode des Nerven. Dadurch wird die Repolarisation der Membran schwieriger oder sogar unterbunden. Dies bewirkt nach wenigen Sekunden unter den Elektroden eine ebenso rasch reversible tonische Depolarisation der Membran: das Ruhepotential wird nicht mehr erreicht (Bhadra und Kilgore 2004, 2005). Es können folglich keine Aktionspotentiale mehr fortgeleitet werden: wir haben ein Leitungsblock geschaffen.
Diese Art von Leitungshemmung bezeichnet man heute als High-Frequency Electrical Conduction Block (Bowman und McNeal 1986). Das Phänomen ist klinisch-therapeutisch interessant bei der Hemmung unerwünschter Muskelaktivität, z.B. bei Spastizität und vielleicht bei der Schmerzhemmung.

Außer diese Hemmung führt die fortdauernde Reizung zur raschen Erschöpfung der Neurotransmittervorräte an der motorischen Endplatte. Die erschöpfte Endplatte vermag dann nicht länger Aktionspotentiale weiterzuleiten und die Muskelfasermembran zu depolarisieren. Dieses Phänomen äußert sich auch als Hemmung.

Wir haben hier also einen angenehmen, nahezu nebenwirkungsfreien Strom mit angeblich ganz eigenen Eigenschaften, können ihn aber wegen den Hemmungsmechanismen nicht sinnvoll anwenden.

Was nun.

Interferenz

Mann müsste den angenehmen MF-Strom so gestalten können, dass die Nervenfasern die Chance bekämen zu repolarisieren, so dass die erwähnte Hemmungsmechanismen nicht auftreten.
Dazu bildet man aus einem MF-Wechselstrom einen Strom, der die Impulseigenschaften eines NF-Stromes mit den Vorteilen eines MF-Stromes kombinieren soll.

Lösung eins.

Die einfachste und naheliegendste Lösung: Man unterbricht den mittelfrequenten Strom ähnlich wie es beim Burst-TENS gemacht wird so, dass die Nervenfasern die Gelegenheit bekommen zu repolarisieren.
Es werden dazu sog. Trains oder Bursts eingesetzt, wobei der burstinterne Frequenz immer der Frequenz der gewählten MF-Frequenz entspricht. Dies bedeutet, dass bei Einstellung einer Reizfrequenz von zum Beispiel 50 Hz der MF-Strom 50 Mal pro Sekunde unterbrochen wird. Man spricht bei dieser Stromart von einem frequenzmodulierten mittelfrequenten Strom.

Es wird nun behauptet, dass das Gewebe auf diese 50 Hz genau so reagiert wie auf einen niederfrequenten Strom gleicher Frequenz.

Das kann natürlich so nicht stimmen.

Die Dauer solcher Bursts ist variabel solange diese 50 Hz in einer Sekunde "hinein passen". Wenn nun ein solcher Burst 10 ms dauert besteht dieser Burst (bei 4000 Hz Grundfrequenz) aus 10 ÷ 1000 x 4000 = 40 Wechselstromimpulsen. Hat nun der stimulierte Nervenfaser eine Refraktärperiode von 1 ms (Aα-Motoneuron), kann diese Faser pro Sekunde 1000 Impulsen leiten: ein Viertel der durch den MF-Strom erzeugten Impulsen. Anders gesagt: jede 4. MF-Impuls kann ein Aktionspotential auslösen (Bowman und McNeal 1986). Bedenke, dass die Wedensky-Hemmung erst nach einigen Sekunden auftritt!
Jeder Burst löst also am Nerv 10 Aktionspotentialen aus, die 50 Bursts insgesamt deren 500. Das Zielgewebe wird demnach nicht mit 50 Hz sondern mit 500 Hz stimuliert. Die biologische Wirkung dieser Frequenz ist unerforscht und unbekannt.

Zweites Rechenbeispiel:
Man möchte das Gewebe mit einer Frequenz von 20 Hz Reizen. Wenn die Bursts wieder 10 ms dauern besteht auch hier einen Burst aus 40 Wechselstromimpulsen. Pro Sekunde kommen nun 20 Mal 40 gleich 800 Impulsen an.
Aus diesem Beispiel wird klar, dass das Gewebe trotz der angeblichen niedrigen Einstellungen mit recht hohen Frequenzen stimuliert wird. Ob das biologisch sinnvoll ist, ist unklar und unerforscht.

Der MF-Strom wird aber, weil er so angenehm ist gerne bei der Muskelstimulation eingesetzt. Die hohe Stimulationsfrequenzen führen nachgewiesenermaßen zu einer sehr raschen High Frequency Fatigue (HFF), eine Ermüdung die nicht zu einer Kraft- oder Ausdauerverbesserung zu führen vermag. Trainingseffekte erreicht man lediglich über einer lokalen Ermüdung: metabolische Veränderungen im Muskelfaser selbst. Die HFF tritt bereits ab Frequenzen über 50 Hz auf (siehe unter Muskelstimulation).

Lösung zwei

Die zweite Lösung ist deutlich komplizierter aber verleiht den Strom deshalb eine gewisse Mystik. Obwohl die Grundidee beim Menschen nicht funktioniert ist sie auf jedem Fall originell.

Ausgangslage: Wenn zwei Wellen auf einander treffen kommt es zu Interferenzphänomenen.

In der nachfolgenden Abbildung führt die Überlagerung links zu einer Verdoppelung der Wellen-Energie, rechts löschen die Wellen sich gegenseitig aus: das energetische Nettoresultat ist gleich Null.Wenn die Wellen sich ganz wenig in der Frequenz unterscheiden, können sie sich nie exakt überlagern. Es kommt in der Folge zu einer sogenannten Schwebung: die Intensität nimmt dann zu und ab in einer bestimmten Frequenz: dies nennt man die Schwebungsfrequenz (englisch: beat).


Die Gitarrenspieler unter uns wenden dieses Prinzip an, wenn sie Ihr Instrument mit Flageoletts stimmen. Je näher diese Töne (ihre Frequenzen) bei aneinder liegen, umso niedriger ist die Schwebungsfrequenz, je weiter auseinander, umso höher ist die Schwebungsfrequenz. Liegen zwei verschiedene Töne sehr nahe beisammen, die A-Saite ist zum Beispiel schön auf 440 Hz gestimmt, de zu stimmende Saite produziert aber "fast" einen A mit 443 Hz, dann entsteht als Differenzton eine Schwebung mit der Frequenz 3 Hz (443 minus 440). Dies wird beim Stimmen der Gitarre hörbar: es ist immer noch ein A, die Lautstärke (die Intensität) nimmt aber 3 Mal pro Sekunde zu und ab: Der Ton wird leiser und lauter mit einer Frequenz von 3 Hz.


Schwebung

Beim sog. echten Interferenzstrom (IF) geht das wie folgt.
Es wird ein Wechselstrom mit konstantem f=4'000 Hz1 (der sog. Trägerfrequenz) zusammengefügt mit einem Wechselstrom dessen Frequenz zwischen 4000 Hz und 4200 Hz eingestellt werden kann. Aus der Differenz der beiden Frequenzen ergibt sich dann, wie bei den Schallschwingungen, die Schwebungsfrequenz. Nur spricht man bei IF nicht von Schwebung sondern von der Amplituden-Modulations-Frequenz (AMF): die Frequenz bleibt ja konstant, nur die Amplitude (die Intensität) wird moduliert. Zudem hört es sich besser an.

Zum Beispiel: der eine Kreis hat einen f= 4'000 Hz, der andere Kreis stellt man auf 4050 Hz ein, die Differenz beträgt 50 Hz. Dies ist die AMF: die (angeblich) eigentliche Reizfrequenz die im Gewebe etwas auslösen soll.

Die niederfrequente Unterbrechungen (die Schwebungen) verhindern mit ihren ein-aus-Phasen einen Leitungsblock: der kontinuierliche MF-Strom wird NF-artig dauernd unterbrochen. Auf diese Weise kann die Zellmembran immer wieder repolarisieren.

Dazu werden nach Nemec auf technisch recht komplizierter Weise zwei separate MF-Stromkreise verwendet (zwei separate Kanäle), welche im Gewebe zusammengefügt werden und so angeblich einen NF-Reizcharakter bekommen.
Werden diese zwei Stromkreise im Gerät zusammengefügt, spricht man von einer exogenen Interferenz, welche also bipolar ist. Bipolar wird hier in einer anderen Bedeutung verwendet als vorhin apolar: es bedeutet hier, dass zwei Elektroden benutzt werden.

Würde die Interferenz tatsächlich, wie immer noch behauptet wird, im Körper stattfinden, dann wäre dies eine endogene Interferenz. Diese müsste tetrapolar erzeugt werden.

An der Interferenz-Lokalisation (im sogenannten Interferenz-Kreuz) würde im theoretischen Idealfall die Amplitude (Intensität) der zwei aufeinander treffenden Stromkreisen sogar fast verdoppelt. Wie bei den Schallwellen käme es zu Verstärkungen (Intensitätszunahmen "lauter werden") und Abschwächungen (Intensitätsabnahmen „leiser werden“) der am Gerät eingestellten Intensität in mA. Die Trägerfrequenz (im Beispiel oben der Ton A) bleibt gleich.

Irrtum

Dies ist aber in der Praxis unmöglich.

Es handelt sich hier um eines der hartnäckigsten Irrtümer in der Elektrotherapie.
Erstens nimmt mit der Abstand zur Elektrode die Stromdichte ab und diese ist demnach in der Mitte zwischen den Elektroden am geringsten. Eine allfällige Überlagerung wird hier also nicht gerade zu einer verstärkten Reizung führen. Die Reizung direkt unter den Elektroden ist immer am stärksten.
Zweitens ist der Körper nicht homogen, deshalb ist es unmöglich, dass die Stromlinien genau parallel verlaufen und sich am richtigen Punkt zur Interferenz kreuzen.


So stellte sich Nemec die Tetrapolare Interferenz im Körper vor

In einem Wasserbehälter mag das funktionieren.

Bei der Behandlung von zum Beispiel lumbalen Rückenschmerzen mit 2 Paar normalgroße Elektroden sieht das aber ganz anders aus. Da soll mal einer versuchen das Interferenzkreuz zwischen 4 Elektroden genau auf L4/5 zu zielen.
Man kann dazu natürlich den Patienten auch schön suggestiv "fragen", ob er nun den Strom genau auf L4/5 spürt.

Deshalb sollte die Interferenz (endlich mal...) nur exogen, bipolar oder 2+2 bipolar eingesetzt werden. Damit meine ich 2 separate bipolare Stromkreise, zum Beispiel ein Kreis lumbal und ein Kreis gleichzeitig segmental, oder ein Kreis lumbal und ein Kreis thorakal usw. Der Nachteil der etwas größeren Hautbelastung ist vernachlässigbar.

Es ist ja nicht so, dass bei der tetrapolaren Anwendung nichts passiert.
Das Ganze fühlt sich gut an und man macht auch bestimmt nix kaputt. Patienten mit einer vegetativ ergotropen Ausrichtung sind mit IF/MF allemal besser bedient als mit einer Low TENS Anwendung.

Es passiert aber bestimmt nicht das, was Nemec und Anderen uns glauben machen wollen.

Bitte weitersagen ;-)

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Adaptation

Zur Vermeidung einer Adaptation stehen nachfolgende Möglichkeiten zur Verfügung:

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Mittelfrequente Reizstrome (MF) können auf verschiedenen Weisen eingesetzt werden.

Man unterscheidet


Allgemeine Behandlungsrichtlinien

Niedrige, abrupt wechselnde Frequenzen sollen das Gewebe stärker reizen als höhere, langsam wechselnde. Aus diesem Grund kursieren die nachfolgenden (widerlegten) Richtlinien.

Weil der MF-Strom praktisch immer als sehr angenehm empfunden wird, ist diese Unterscheidung sehr wahrscheinlich irrelevant. Johnson und Tabasam (2003) konnten jedenfalls keinen Unterschied in der Wirkung feststellen zwischen unterschiedlichen Spektrumprogrammen (1:1, 6:6) und verschiedenen Frequenzen (20, 60, 100, 140, 180, 220 Hz). Es ist aber bestimmt sinnvoll die für den Patienten angenehmste Einstellung auszuloten.

Patienten mit eher akuten Beschwerden (hohe Aktualität)

Patienten mit eher chronischen Beschwerden (niedrige Aktualität)

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Indikationen

MF Ströme werden für eine Vielzahl Indikationen eingesetzt und es existieren entsprechend viele Behandlungsrichtlinien und -Vorschläge.
Diese Vorschläge basieren auf der Annahme, dass MF Strom wegen der hohen Frequenz spezielle Eigenschaften besitzt.
Weshalb dies so sein soll ist unklar.
Diese Annahme wurde bis heute nie wissenschaftlich bestätigt.
Die Indikationen decken sich angeblich mit denen der Reizstromverfahren im NF-Bereich. Es ist aber zu beachten, dass die MF-Therapie praktisch keinen Einfluss auf die Durchblutung hat, außer über eine Aktivierung der Muskelpumpe. Da keine Reizung von Aδ- und C-Fasern auftritt ist auch nicht mit einer Aktivierung zentraler schmerzhemmender Systemen zu rechnen.

In aktuellen Untersuchungen kamen die Autoren zum Schluss, dass Interferenz-Strom besser wirkt als eine Plazebobehandlung, aber bestimmt nicht besser als TENS (Johnson 2003, Shahanan 2006). Die gängige Praxis, Resultate der (gründlichen!) TENS-Untersuchungen auf MF-Strom zu übertragen ist in der heutigen Zeit der evidence based medicine problematisch. Das bedeutet nicht, dass MF-Strom nicht eingesetzt werden soll. Eine gewisse Skepsis ist meiner Meinung nach allerdings angebracht.

Die verbreiteste Indikationen sind

Es ist unbedingt zu beachten, dass lediglich die schmerzlindernde Wirkung von MF-Strom bestätigt wurde, der Mechanismus bleibt aber unklar.

Kontraindikationen

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Überlegungen zur Therapie mit mittelfrequenten Strömen

Wieder eine Lösung auf der Suche nach einem Problem?

Vergessen wir mal die endogene IF, die gibt es nicht.
Wenn man schon IF einsetzt, dann bitte exogen.
TENS ist jedoch, richtig eingesetzt, deutlich effektiver bei der Schmerzlinderung, und hyperämisierende Ströme wie DD und UR wirken besser auf die neurogene Entzündung ein.
Das Argument gegen IF, dass die Geräte mehr kosten als TENS-Geräte, geht nicht mehr auf, es gibt heute walkmangroße Geräte für die Heimbehandlung in der gleichen Preisklasse wie (sehr teuere) TENS-Geräte.

Wenn schon, sehe ich den Einsatz bei Schmerzpatienten in der Alarmphase.
Der Strom ist mild, sogar angenehm und es kann eigentlich nichts passieren.(...)
Mit einer 08/15 Einstellung wie: Trägerfrequenz 4000Hz, AMF 80Hz, Spektrum 50Hz, Durchlauf 6/6, Dosierung leicht bis mäßig spürbar kommt man im Alltag bei diesen Patienten sehr weit.

Die Frequenzeinstellung (AMF) und das Durchlaufprogramm (swing pattern) haben keinen Einfluss auf die Wirkung (Johnson und Tabasam 2003).

Die Wirkung lässt sich eventuell über die GCT erklären: es werden schnellleitende Nervenfasern stimuliert. Je mehr der Therapeut sich anstrengt, das Interferenzkreuz an der richtigen Stelle zu lokalisieren, umso größer wird wahrscheinlich der Plazeboeffekt.

Shanahan hat 2006 gezeigt, dass Conventional TENS bezüglich der Schmerzlinderung IF objektiv überlegen ist. Die Probanden fanden die IF-Anwendung aber angenehmer.

Das ist nicht unproblematisch: sollen wir uns nun nach den Fakten oder nach den Patienten richten? Nach dem Motto: Es wirkt zwar nicht so gut, aber es fühlt sich so schön an?


Dennoch: mittelfrequente Ströme können mehr, aber das geht "uns" weniger an.

(Nachfolgendes hat mit Physiotherapie nichts zu tun und ist nur für den interessierten Leser gedacht ;o)

Der Strom wird seit einigen Jahren mit Erfolg bei der Behandlung von Psoriasis eingesetzt.
Die Anwendungsmethode ist gleich wie bei der Leitungswasseriontophorese, wobei sich lediglich die Parameter unterscheiden.

Für die Wirkung mach man Interaktionen vom wechselnden elektrischen Feld mit vermutlich spannungsabhängigen Kanälen oder Rezeptoren auf der Zellmembran verantwortlich. Durch Aktivierung oder Hemmung dieser Kanäle werden intrazelluläre Prozesse beeinflußt. Man hat festgestellt, dass die Wirkung frequenzabhängig ist.
Es gibt bei mittelfrequenten Wechselströmen sog. Frequenzfenster: bei bestimmten Frequenzen tritt die Wirkung auf, bei andere Frequenzen nicht. Beim MF-Strom konnte man nachweisen, dass die intrazelluläre cAMP-Konzentration bei einer AMF von 10Hz und 100Hz signifikant erhöht wird und bei einer AMF von 50Hz abnimmt. Diese Wirkung wurde bei primär nicht elektrisch erregbaren Zellen wie Fibroblasten und Osteoblasten beobachtet.

Nun ist dieses cAMP eine sehr wichtige Verbindung. Zyklisches Adenosinmonophosphat (syn. Adenosin-3',5'-monophosphat, kurz zyklisches AMP oder Cyclo-AMP) ist ein vom Adenosintriphosphat (ATP) abgeleitetes Molekül und funktioniert als sog. second messenger, also als Bindeglied im System der zellulären Signalweiterleitung.
Eine Folge fast aller bekannter Aktivierungsabläufe ist eine Veränderung von Enzymaktivitäten. cAMP führt insbesondere zu einer Aktivierung von Proteinkinasen vom Typ A (PKA). Diese Proteinkinasen lösen über eine Phosphorylierung verschiedener zellulärer Proteine sehr viele unterschiedliche Effekte aus. So kommt es zum Beispiel zur Beeinflussung von Zellproliferation und vielen Aspekten der Zelldifferenzierung. Das Endergebnis der zellulären Signalweiterleitung ist Genregulation auf Transkriptions-Ebene.
Die Abnahme der cAMP-Konzentration geht bei erregbaren Zellen mit einer Erhöhung von K-Strömen und einer Verringerung von Ca-Strömen einher, so dass die Depolarisation erschwert wird und die Aktionspotential-Frequenz abnimmt, anders formuliert: die Leitungsfähigkeit wird herabgesetzt.

Und was bedeutet das nun alles?

Bei Psoriasis Patienten ist die cAMP Konzentration in den basalen Hautzellen gegenüber normalen Hautzellen verringert. Dies verursacht eine Proliferation dieser Zellen mit den für Psoriasis typischen Symptome.
Wie oben beschrieben ist es möglich, mit Frequenzen von 10Hz und 100Hz diese cAMP-Konzentration zu erhöhen, und genau hier setzt die MF-Strom-Therapie an. Speziell die sehr belastende Psoriasis palmaris, welche auf herkömmliche Therapien nicht so gut anspricht, wird mit Erfolg behandelt.

Die Behandlung wird wie folgt durchgeführt:

Mit der Zeit kommt es zum Stillstand der Hyperproliferation, speziell der Juckreiz nimmt stark ab. Es tritt zwar keine Heilung auf, aber wegen der Nebenwirkungsfreiheit kann man die Behandlung immer wieder einsetzen.

Hat dies nun auch Konsequenzen für den Einsatz von MF-Strömen in der Physiotherapie?

Das cAMP ist über die Aktivierung von Proteinkinase-A (PKA) an den unterschiedlichsten Prozeßen beteiligt wie Entzündungsprozeßen und Wundheilung, speziell in Richtung Matrix-Synthese. Zudem reguliert PKA die Funktion des VR1-Rezeptors (der Capsaicin-Rezeptor, siehe "neurogene Entzündung"), des NMDA-Rezeptors (N-methyl-D-aspartat-Rezeptor: Glutamatrezeptor in der postsynaptischen Membran), und die Funktion des GABA-Rezeptors, allesamt wichtige Rezeptoren im Zusammenhang mit der Schmerzleitung.
Die Produktion von PKA ist, wie oben erwähnt, cAMP-abhängig: wenn die cAMP Konzentration ansteigt, nimmt über die Aktivierung von PKA z.B. die Stabilisierung des GABA-Rezeptors zu: Dessen inhibierende Wirkung wird dadurch verstärkt.

Andererseits wirkt eine Zunahme von PKA exitierend auf den VR1-Rezeptor. Anders ausgedrückt: der cAMP-Anstieg bewirkt über PKA eine verstärkte Erregbarkeit dieses Rezeptors und dadurch eine verstärkte Antwort auf eine Gewebeschädigung.

Greift die MF-Strom-Therapie in diese Prozeße ein?

Wir Physios verwenden zur Schmerzlinderung gerne höhere Frequenzen, in der Regel um 100Hz herum, und hoffen damit den GCT-Mechanismus zu aktivieren. Diese Frequenz stimuliert aber auch die cAMP-Bildung. Lösen wir hiermit vielleicht zusätzlich oder gar hauptsächlich ganz andere Mechanismen aus?
Wenn ja, müßten wir unsere Dosisparameter drastisch ändern. Die cAMP-Produktion ist während etwa 1 Stunde nach der Behandlung erhöht, die Nachwirkung hält mehrere Stunden an. Danach sollte die Behandlung wiederholt werden. Es wäre also wahrscheinlich sinnvoll 2x täglich zu behandeln bis der Erfolg eingetreten ist.

Kein Wunder, dass eine 2-mal wöchentliche IF-Behandlung zur Schmerztherapie nicht immer das bringt, was man sich erhofft.

Trotzdem berichten Kolleginnen und Kollegen immer wieder über gute Resultate bei der Behandlung von zum Beispiel Sprunggelenk-Distorsionen und posttraumatischen/postoperativen Kniegelenk-Ergüssen mit MF-Strom.
Typische Wundheilungs-Problematik welche man häufig täglich behandelt.
Also doch ein Einfluß auf den Axonreflex und auf die Trophik?

Wirkt die MF-Therapie dann doch?

Auf meine Anfrage bei Spezialisten der MF-Therapie-Forschung, ob möglicherweise bei niederfrequenten (TENS-) Strömen vergleichbare Effekte auftreten, und wie die Resultate der Forschung für den weiteren Einsatz von MF-Strömen zu interpretieren seien, antwortete Herr Prof. Dr. rer. nat. H. Dertinger vom Forschungszentrum Karlsruhe (Institut für biologische Grenzflächen), dass die TENS-Ströme in diesem Zusammenhang bis heute nicht untersucht wurden. Er meint aber, dass ein modulierter MF-Strom spezielle Eigenschaften hat, welche man nicht mit einem herkömmlichen NF-Strom vergleichen kann.

Wenn also da draußen jemand ist, der eine Meinung zum Thema hat und sich austauschen will, möge er oder sie sich mit mir in Verbindung setzen.

Ich würde mich aufrichtig freuen.


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Glossar

Amplitude
Intensität in mA
Phasendauer/-Zeit
Impulsdauer/-Zeit in ms oder µs
Phasenintervall
Impulspause, die Zeit zwischen 2 Impulse in ms oder µs
Frequenzmodulation
Spektrum oder Spektrumfrequenz = das Durchlaufen eines gewählten Frequenzspektrums zur Vermeidung einer Akkomodation.Zum Beispiel von 100 Hz bis 150 Hz und zurück.
Amplituden-Modulation
Das rhythmische An- und Abschwellen der Amplitude
Durchlaufzeit
Spektrum-Programm = die Zeit in der eine Stromart ihre Frequenz ändert. Zum Beispiel 6/6, sweep pattern
AMF
Amplituden Modulations Frequenz = die Differenz zwischen der fest eingestellten Frequenz und die variable Frequenz, letztlich die Reizfrequenz.Beat
Vektor
Vergrösserung des effektiven Stimulationgebietes mittels (automatischen) Variierens der Intensität
Modulationstiefe
Ausmass der Modulation in Prozent

Literatur (Auswahl)


Navigation Elektro | Einführung Elektro | Gleichstrom/Ionto | Niederfrequenz, hyperämisierend | TENS | Schmerz/Schmerzhemmung | Ultraschall | Laser | Muskelstimulation | Rumpelstilzchen |

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